Corvidae - Rabenvögel

Was sind Rabenvögel?
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"Rabeneltern, Galgenvogel, alte Krähe, rabenschwarzer Tag, Pechvogel, diebische Elster, klauen wie die Raben", nicht nur der deutsche Sprachgebrauch ist voll von Redewendungen und Ausdrücken, die die Angst und auch den Ekel des Menschen vor Rabenvögeln zum Ausdruck bringt. Das englische Wort "ravenous" bezeichnet eine gierige, oft sogar anstössige Art, etwas zu tun, ein Schwarm Krähen wird als "murder of crows" (= ein Mord Krähen) bezeichnet.
Betrachtet man die Ursprünge dieser Ausdrücke etwas genauer, sieht man oft auch deren fehlenden Bezug zu den tatsächlichen Tieren, die oft nichts mit ihrem Mythos gemein zu haben scheinen, aber trotzdem die Verachtung und Verfolgung durch den Menschen erfahren.
Raben z.B. sind alles andere als schlechte Eltern und die Elster ist nicht diebischer als andere Rabenvögel, wobei der Vogel natürlich keine Ahnung hat, dass wir Menschen eine Vorstellung von "Besitz" haben und wir an schimmernden Dingen oft besonders hängen...
Der "Galgenvogel" oder "Pechvogel" wurde zum solchen, weil er, auf das abfallende Fleisch hoffend, oft bei Hinrichtungen zugegen war (bes. die Aaskrähe), woraufhin der Mensch begann, diese Tiere mit dem Tod zu verbinden. So wurden Krähen und Raben schnell zum Todesboten und auch Todesbringer. Der Film "The Crow" basiert auf einer Legende, die besagt, eine Krähe trage die Seele eines Verstorbenen in das Land der Toten. Diese oder ähnliche Vorstellungen wiederum legten offenbar auch nahe, dass der Vogel keine Angst vor dem Tode habe und sogar als Entscheidungsträger fungiert.
So wurden Rabenvögel zu mystischen Tieren, Begleiter von Hexen und Zauberern in Mythos und Dichtung.

Während die eine Kultur die Vögel auf diese Weise fürchten lernte, begannen andere, sie aufgrund dessen zu verehren. Ein ganzer Indianerstamm, die "Crow" benannten sich nach der Krähe, die früher bei Indianern als Haustier gehalten wurde, dem man die Fähigzeit zusprach, die Zukunft weissagen zu können.
Ein anderer Stamm, die Inuit, erzählen die Legende des Raben, der ihnen das Tageslicht bringt.
Eine ähnliche Funktion hatte der Rabe in den heidnischen Glaubensformen. Die Druiden verehrten den Raben als Tier der Prophezeihung, der Einweihung und machten ihn zum Schutztier eines ihrer bekanntesten Clans, dem Rabenclan.
Ein anderer heidnischer Glaubenszweig, Asatru, der den Glauben an die nordischen Mythen mit einbezieht, erzählt die Geschichte von Odins zwei Begleitern in Form von Raben, Hugin und Munin, die durch das Land reisten und ihm berichteten, was sie gesehen hatten. So war Odin, ein nordischer Gott, jederzeit über das Treiben seiner Anhänger informiert.
Etwas ähnliches sagt auch J.R.Tolkien in seinem "Herr der Ringe", wo er sich auf den Raben als stillen Beobachter und Abgesandten bezieht, der in diesem speziellen Fall vom Bösen ausgesandt war.

Nicht nur uralte Legenden singen und erzählen von den Rabenvögeln, auch heute ist noch Vieles ungeklärt. Einige Beobachter interpretieren z.B. eine Art absichtlich herbeigeführte Drogenerfahrung in das sogenannte "anting" hinein, bei dem sich der Vogel auf einen Ameisenhaufen setzt und sich so das Gefieder mit Ameisensäure benetzt. Andere erzählen von sogenannten "Krähenbegräbnissen", wobei sich viele Rabenvögel zusammenfinden sollen, um einen verstorbenen Vogel zu verabschieden. Beide Verhaltensweisen lassen sich unter Umständen erklären, das "anting" könnte der Gefiederpflege dienen und bei den Begräbnissen kann es sich um eine normale Schlafplatzversammlung halten. Dennoch ist es interessant, wie sehr Rabenvögel auch heute noch zur Mystifizierung anregen.
Die heutzutage sehr leichtfertig unterstellte "Intelligenz" wird zusätzlich noch untersucht, wobei es von Beobachtungen der Werkzeugverwendung bis hin zu Spekulationen über Humorempfindungen geht. Anlass hierfür dürfte das reichhaltige und komplizierte Sozialverhalten bieten.

Im Allgemeinen hat der Rabenvogel doch eher den Status des Verachteten, auch Shakespeare benutzte schon das Bild der Krähe als hässliche Frau:

"Go thither, and with unattainted eye,
compare her face with some that I shall show
and I will make thee think thy swan a crow"

schreibt er und will damit Romeo die Augen öffnen, der am Anfang der Geschichte noch von der schönen Rosalind schwärmt.
Ein populärer Reim aus dem Mittelalter sagt:

"One crow - sorrow
Two crows - mirth
Three crows - marriage and
Four crows - birth",

woraus einmal mehr der Glaube an die Fähigkeit der Krähe in die Zukunft zu sehen zum Ausdruck gebracht wird.

Ein solch unbestimmtes, aber dennoch spürbares Unbehagen einer Tierfamilie gegenüber ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Filmindustrie. So war es nicht sehr verwunderlich, dass Alfred Hitchcock mit "The Birds / Die Vögel" einen Riesenerfolg landete und den meisten Menschen heute noch ein eiskalter Schauer den Rücken hinunterläuft, wenn sie das bekannte Bild der ahnungslosen jungen blonden Frau sehen, hinter der sich ein grosser Schwarm "mordlustiger" Krähen (Galgenvögel!) sammelt, obwohl in der Realität niemals Raben- oder Krähenansammlungen beobachtet werden konnten, die lebende, gesunde Säugetiere oder sogar Menschen gierig zerfleischten.
Aber wie kommt es, dass wir uns durch derartige Schauermärchen derart beeindrucken lassen? Wölfe, Bären, Tiger, Fledermäuse, Haie, Krokodile, alles Tiere die sowohl verehrt und mystifiziert als auch - meistens grundlos - aus mangelndem Wissen gefürchtet wurden und aus diesem Grunde von der Ausrottung bedroht waren oder sind. Wären Rabenvögel weniger anpassungsfähig und weniger verbreitet, sicherlich wären auch sie bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten zu finden.
Mangelndes Wissen der urteilenden Menschen ist auch das Problem der Rabenvögel. Der Rabenvogelstreit wogt nun schon lange zwischen Jägern/Landwirten und Naturschützern und Aufklärung kommt oft zu kurz. Einen Beitrag dazu sollen diese Seiten bieten. Eine Gegenüberstellung der häufigsten Vorwürfe der Landwirtschaft, aber auch einzelner Privatleute mit der realen Situation soll auf dieser Seite stattfinden: Dichtung und Wahrheit.



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