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Dichtung und Wahrheit
Diese Seite hat die Funktion, mit Vorurteilen aufzuräumen, die im Laufe des
Rabenvogelstreites nicht nur hervorgebracht wurden, sondern auch entstanden sind. Aber
nicht nur aktive Mitstreiter sind Anhänger dieser Ansichten, oft stimmt dieser
Glauben mit der Meinung der Bevölkerung überein, die die lauten Tiere nicht
"niedlich" genug findet oder durch falsch verstandenen "Singvogelschutz"
(auch Rabenvögel sind Singvögel) aus dem Garten oder der Nachbarschaft
vertreiben möchte.
Da ist die Rede von "Rabenschwärmen, die über Lämmer herfallen" und
"Überpopulationen" von Elstern, die die Amseln vertreiben und deren Jungtiere
systematisch vernichten.
(Die mit dem markierten Texte entstammen der Webseite des NABU Hamburg)
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Behauptung: Es gibt eine Überpopulation von Rabenvögeln, speziell der Elster

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Zweifellos hat in Hamburg wie überhaupt im menschlichen Siedlungsbereich die Elster in den letzten Jahren
gewaltig zugenommen.
Dem steht allerdings eine ebenso starke Abnahme in der "freien Landschaft"
gegenüber, so dass von der so oft zitierten "Übervermehrung" überhaupt keine Rede
sein kann. (Und wer wollte sich auch anmassen zu bestimmen, wieviele Elstern oder auch andere Tiere es
geben darf?).
Jede Tierart kommt in einer dem Lebensraum angepassten Dichte vor. Elster und zunehmend
auch Rabenkrähen und Eichelhäher finden als anpassungsfähige Allesfresser in der Stadt einen
offenbar optimalen Lebensraum vor bzw. haben sich sich dem Stadtleben ausgezeichnet angepasst. |
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Behauptung: Der Bestand kann nur durch Abschuss reguliert werden, da die Rabenvögel in der Stadt keine
natürlichen Feinde haben. |

Unter optimalen Lebensbedingungen kann eine Bejagung den Bestand nicht regulieren, wenn man nicht gerade eine
grossangelegte Vernichtungskampagne starten will. (Im dichtbesiedelten Stadtbereich ist eine intensive
Jagd wegen der damit verbundenen Gefahr für die Allgemeinheit auch gar nicht möglich).
Man muss
ausserdem unterscheiden zwischen den revierbesetzenden "Brutelstern" und den in Trupps
umherstreifenden "Schwarmelstern". Letztere räumen bevorzugt die Nester ihrer Artgenossen aus,
so daß der Bruterfolg der Elster in der Stadt meist sehr gering ist. Würde man nun die Anzahl der
"Schwarmelstern" reduzieren, so stiege automatisch der Bruterfolg an, die Verluste würden also
sehr schnell wieder ausgegeglichen. Würde aber ein Revierpaar weggeschossen, so wäre das
freigewordene Revier schon am nächsten Tag von bisherigen "Schwarmelstern" besetzt, die nur auf
eine solche Gelegenheit warten. Eine Bejagung ist zur Regulierung des Elsternbestandes also sinnlos.
Neben
dieser innerartlichen Regulierung tritt auch die Rabenkrähe als Regulator auf, die als stärkere Art
die Elster verdrängt. Auch der Habicht als natürlicher Feind aller Rabenvögel siedelt sich
zunehmend in der Stadt an. |
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Behauptung: Die Elster rottet kleinere Singvögel aus. |

Diese Behauptung hält einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand.
Ausnahmslos alle zu
diesem Thema durchgeführten z.T. langjährigen, detaillierten Untersuchungen belegen eindeutig,
dass - von lokalen Effekten vielleicht einmal abgesehen - die Elster keinen nennenswerten negativen
Einfluss auf die Kleinvogelbestände hat.
In der Tat kommen viele Singvogelarten in der
durchgrünten Gartenstadtzone wesentlich häufiger vor als in der ausgeräumten "freien
Landschaft" - trotz hoher Elsterndichte! Sorgfältige Bestandszählungen seriöser
Vogelkundler haben ergeben, dass in Hamburg viele Singvogelarten parallel zum Bestandsanstieg der Elster
in den letzten Jahren ebenfalls stark zugenommen haben.
Andere Arten haben allerdings tatsächlich im
Bestand abgenommen oder sind fast ganz verschwunden. Die wahren Gründe hierfür liegen demnach ganz
woanders: Zerstörung naturnaher Landschaften, Flurbereinigung, Nahrungsmangel oder direkte Vergiftung
durch Pestizideinsatz, Verfolgung auf den Zugwegen, Vernichtung traditioneller Winterquartiere u.a.m.
Die
Elster wird hier nur zum Sündenbock gemacht für eine Entwicklung, die nicht sie, sondern allein der
Mensch zu verantworten hat. Die Rabenvögel können diesen negativen Prozeß in Einzelfällen
bestenfalls beschleunigen. Aber es ist bequemer, den Abschuß von Elster, Eichelhäher und
Rabenkrähe (warum aber dann nicht auch z.B. von Buntspecht oder Eichhörnchen, die ja bekanntlich
auch große "Nesträuber" sind?) zu fordern, anstatt die wirklichen Probleme zu erkennen,
geschweige denn anzupacken. Der NABU wird sich daher auch in Zukunft gegen eine generelle Bejagung der
Rabenvögel und stattdessen für einen möglichst umfassenden Umwelt- und Naturschutz auf
wissenschaftlicher Grundlage einsetzen. |
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